Das neue Evangelium
Am 25. November 2021 um 20:00 Uhr. -- Eintritt 5 €

Was würde Jesus im 21. Jahrhundert predigen? Wer wären seine Jünger? Regisseur Milo Rau kehrt in der süditalienischen Stadt Matera zu den Ursprüngen des Evangeliums zurück und inszeniert es als Passionsspiel einer Gesellschaft, die geprägt ist von Unrecht und Ungleichheit. Gemeinsam mit dem Politaktivisten Yvan Sagnet, der Jesus verkörpert, erschafft Rau eine zutiefst biblische Geschichte.
Nach Jesus‘ Vorbild kehrt Yvan als „Menschenfischer“ in das größte der Flüchtlingslager bei Matera zurück. Unter den dort Gestrandeten, findet er seine „Jünger“. Verzweifelte, die über das Mittelmeer nach Europa gekommen sind, um auf den Tomatenfeldern Süditaliens versklavt zu werden und dort unter unmenschlichen Bedingungen in regelrechten Ghettos hausen – allein in Italien sind das mehr als 500.000 Menschen. Gemeinsam mit ansässigen Kleinbäuerinnen und -bauern begründen sie die „Revolte der Würde“ („The Revolt of Dignity“), eine politische Kampagne, die für die Rechte von Migrantinnen und Migranten kämpft.

REGISSEUR MILO RAU ÜBER DAS NEUE EVANGELIUM
Seit fast 20 Jahren beschäftige ich mich jetzt in Theaterstücken, Filmen und Büchern mit den Widersprüchen der Weltwirtschaft und der Rolle Europas darin. In der „Europa-Trilogie“ (2014-16) wurden die Geschichten von Schauspielern aus 13 Ländern, aus Belgien über Russland bis nach Kurdistan und Syrien, zusammengestellt und zu einer europäischen Geschichte geformt – einer „politischen Psychoanalyse unseres Kontinents“ (Libération), für die wir von Erbil bis Jerusalem und von Athen bis nach Brüssel und Paris Darsteller gesucht haben. Für den Film „Das Kongo-Tribunal“ (2017) habe ich ein globales Wirtschaftstribunal im ostkongolesischen Bürgerkriegsgebiet eingerichtet, aus dem europäische und kanadische Rohstoffunternehmen Hunderttausende Menschen unter den Augen der Vereinten Nationen vertreiben. Bergleute und Manager, Rebellen und Regierungspolitiker beantworteten Fragen einer Jury, die aus nationalen und internationalen Anwälten besteht. Das Projekt, nominiert sowohl für den Schweizer als auch den Deutschen Filmpreis, führte zur Entlassung zweier Minister und sogar des Gouverneurs der kongolesischen Bergbauprovinz Südkivu.
Mit dem NEUEN EVANGELIUM bringe ich nun beide Arten von Projekten zusammen: die breit angelegte Kritik an einer ungerechten Weltordnung, in der Europa eine zentrale Rolle spielt und das Arbeiten mit den Geschichten und Biografien eines Laienensembles, das aus einem großen Casting hervorgegangen ist.
Darüber hinaus bin ich schon lange an der Bildsprache der Bibel interessiert, mit der ich mich bereits mehrfach auseinandergesetzt habe: in meiner Pasolini-Adaption „Die 120 Tage von Sodom“ (2017, Schauspielhaus Zürich), meinem groß angelegten Glaubensprojekt „Das Genter Altarbild“ (2018, NT Gent) sowie in „Empire“ (2016, Schaubühne Berlin), dem dritten Teil der „Europa-Trilogie“ mit Maia Morgenstern, die in Mel Gibsons Bibel-Film „Die Passion Christi“ die Maria spielt.
Für Kinovorführungen sind Reservierungen bis einen Tag vor der Veranstaltung möglich. Bitte sendet einfach eine E-Mail an reservierung @ kdw-neumuenster.de. Die Reservierung gilt erst nach einer Bestätigung. Wir legen die Karten dann bis 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn zurück. Sollten sie bis dahin nicht abgeholt sein, kommen sie in den freien Verkauf.
Für Konzerte gibt es normalerweise keine Ticketreservierung. Sollte es anders sein, steht das explizit in der Ankündigungen. Wir freuen uns immer über Euer Kommen.